Baumvertrauen Redaktion
20+ Jahre Baumpflege-Praxis · Geprüfte Fachinhalte · Juni 2026
Ein Baum sieht oft länger gesund aus, als er es ist. Manche Schäden zeigen sich erst, wenn ein Ast bricht oder der Baum kippt. Doch viele Gefahren kündigen sich an, wenn man weiß, worauf man achten muss. Dieser Artikel zeigt die wichtigsten Warnzeichen, die ein Baum aussendet, und hilft Ihnen einzuschätzen, wann Sie als Eigentümer einen Fachmann hinzuziehen sollten. Eine Vorab-Bemerkung: Dieser Überblick ersetzt keine fachliche Baumkontrolle, er hilft Ihnen aber, Auffälligkeiten früh zu erkennen.
In diesem Artikel
Totholz in der Krone
Totholz sind abgestorbene Äste in der Krone. Sie erkennen sie daran, dass sie kein Laub mehr tragen, während der Rest des Baumes belaubt ist, oder dass die Rinde abblättert und das Holz darunter grau und brüchig ist. Ein paar kleine tote Äste sind bei vielen Bäumen normal und kein Grund zur Sorge.
Gefährlich wird es, wenn größere, starke Äste absterben. Sie können jederzeit herabfallen, besonders bei Wind oder unter Schneelast. Stehen unter dem Baum ein Weg, ein Sitzplatz, ein Parkplatz oder ein Spielbereich, sollte starkes Totholz zeitnah entfernt werden. Bricht ein toter Ast und trifft jemanden, stellt sich sofort die Frage nach der Verkehrssicherungspflicht.
Pilze am Stamm und Stammfuß
Pilzfruchtkörper am Baum sind oft das sichtbare Zeichen eines unsichtbaren Problems: Der Pilz zersetzt das Holz im Inneren. Besonders ernst zu nehmen sind Pilze am Stammfuß und im Wurzelbereich, denn dort entscheidet sich die Standsicherheit des ganzen Baumes.
- Pilze am Stammfuß: können auf Fäule im Wurzelbereich hindeuten. Der Baum verliert seinen Halt, ein Umsturz wird möglich.
- Pilze höher am Stamm: deuten auf Holzzersetzung im Stamm hin, was die Bruchgefahr erhöht.
- Konsolen oder Hüte am Holz: viele holzzersetzende Pilze bilden auffällige, oft mehrjährige Fruchtkörper.
Nicht jeder Pilz am Baum ist ein Notfall, aber die Art des Pilzes und das Ausmaß der Holzzersetzung lassen sich nur fachlich beurteilen. Pilze am Stamm oder Stammfuß sind deshalb immer ein guter Anlass, einen Fachbetrieb hinzuzuziehen.
Risse und Spalten im Holz
Längsrisse im Stamm, klaffende Spalten oder offene Stellen, an denen die Rinde fehlt, sind Warnzeichen. Besonders kritisch sind Risse an Stellen, an denen sich der Stamm gabelt. Wenn zwei etwa gleich starke Stämmlinge aus einem Punkt wachsen (ein sogenannter Zwiesel) und sich dort ein Riss zeigt, kann der Baum an dieser Stelle auseinanderbrechen.
Auch frische Risse, die nach einem Sturm neu auftreten, sollten Sie ernst nehmen. Sie deuten darauf hin, dass der Baum durch das Unwetter bereits Schaden genommen hat, auch wenn er noch steht.
Schieflage und angehobener Boden
Nicht jeder schräg gewachsene Baum ist gefährlich, viele Bäume wachsen von Natur aus etwas schief und sind trotzdem stabil. Alarmierend ist dagegen eine plötzliche oder zunehmende Schieflage. Ein deutliches Warnzeichen ist, wenn sich auf der einen Seite des Stammfußes der Boden anhebt oder aufreißt, während er auf der anderen Seite eindrückt. Das spricht dafür, dass die Wurzeln den Halt verlieren.
Achten Sie auch auf neu entstandene Erdrisse rund um den Stammfuß oder auf freigelegte, angehobene Wurzeln. In Kombination mit Schieflage ist das ein ernstes Signal, das eine schnelle fachliche Prüfung verlangt.
Weitere Warnzeichen
- Höhlungen und große Astlöcher: sichtbare Hohlräume im Stamm können auf fortgeschrittene Fäule hinweisen.
- Auffällig lichte Krone: wenn ein Baum im Vergleich zu Artgenossen deutlich weniger Laub trägt, ist seine Vitalität geschwächt.
- Hängende oder angebrochene Äste: teilweise gebrochene Äste, die noch in der Krone hängen, können jederzeit fallen.
- Austretender Saft oder dunkle Flüssigkeit am Stamm: kann auf eine innere Schädigung hindeuten.
- Pilzbefall nach Bauarbeiten: wurde im Wurzelbereich gegraben oder verdichtet, leidet der Baum oft erst Jahre später sichtbar.
Schnell-Einschätzung: die Ampel
Die folgende grobe Einordnung hilft Ihnen, eine erste Einschätzung zu treffen. Sie ersetzt keine fachliche Kontrolle, gibt aber eine Orientierung, wie dringend gehandelt werden sollte.
Im Zweifel handeln
Wenn ein Baum über einem Bereich steht, in dem sich häufig Menschen aufhalten, und Sie unsicher sind, gilt: lieber einmal zu viel prüfen lassen als einmal zu wenig. Eine fachliche Baumkontrolle ist deutlich günstiger als die Folgen eines Schadens.
Wann Sie einen Fachmann brauchen
Bei diesen Beobachtungen sollten Sie nicht abwarten, sondern einen qualifizierten Baumpflege-Betrieb hinzuziehen:
- Pilze am Stamm oder am Stammfuß
- klaffende Risse, besonders an Stammgabelungen
- plötzliche oder zunehmende Schieflage, angehobener Boden
- starkes Totholz über Wegen, Sitzplätzen oder Stellplätzen
- jede Auffälligkeit nach einem schweren Sturm
Ein Fachbetrieb beurteilt nicht nur den sichtbaren Zustand, sondern kann mit geschultem Auge und gegebenenfalls technischen Hilfsmitteln auch das Innere des Holzes einschätzen. So lässt sich klären, ob der Baum durch einen Schnitt zu retten ist oder ob er gefällt werden muss. Diese Einschätzung schützt Sie zugleich rechtlich, denn als Eigentümer tragen Sie die Verkehrssicherungspflicht für Ihre Bäume.
Weiter lesen
Baum prüfen lassen
Geprüfte Baumpflege-Betriebe
in Ihrer Nähe.
Unsicher, ob Ihr Baum noch sicher ist? Auf baumvertrauen.de finden Sie Fachbetriebe mit nachgewiesener Qualifikation, die Ihren Baum kompetent beurteilen, sortiert nach Region und Qualifikation.
Jetzt geprüfte Baumpflege-Betriebe in Ihrer Nähe finden →Letzte Aktualisierung: Juni 2026 · baumvertrauen.de · Dieser Überblick ersetzt keine fachliche Baumkontrolle.